Ratgeber

Therapie ja oder nein?

Manchmal sind es Kleinigkeiten — manchmal stapelt sich Stress. Hier finden Sie eine erste Orientierung.

Braucht mein Hund eine Verhaltenstherapie?

Diese Frage ist oft gar nicht so einfach zu beantworten. Wie so oft im Leben, gibt es dabei viele Grenzfälle. Was für den einen eine kleine »Macke« des Vierbeiners ist, will der andere abtrainiert haben. Manchmal aber ist die Antwort auch sehr klar und einfach, und zwar in den nachfolgend genannten 3 Fällen.

Fall 1: Ihre Lebensqualität ist durch das Zusammenleben mit dem Hund beeinträchtigt

Sie fühlen sich durch das Verhalten Ihres Hundes immer wieder oder dauerhaft gestört bzw. beeinträchtigt. Wenn Sie zum Beispiel nicht mehr ins Kino oder Theater gehen können (obwohl Sie gern würden), weil der Hund nicht allein bleiben kann. Oder wenn Sie immer seltener Freunde und Bekannte zu Gast haben, weil der Hund sich nicht benimmt. Oder es graut Ihnen jeden Tag vor der Gassi-Runde, weil Sie wissen, daß das wieder in Leinen-Gezerre und Schimpferei endet. Oder, oder, oder...
Eine Beratung und evtl. Hundeschule oder Therapie ist in diesen und ähnlichen Fällen angeraten.

Fall 2: Die Lebensqualität anderer (z.B. Ihrer Nachbarn) ist durch das Zusammenleben mit dem Hund beeinträchtigt

Denken Sie nicht nur an sich! Auch Ihre Nachbarn haben ein Recht darauf, nicht übermäßig durch Ihren Hund belästigt zu werden. Das ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit und Rücksichtnahme, sondern dazu gibt es sogar klare gesetzliche Bestimmungen. Wenn Ihr Hund z.B. länger als 20 Minuten am Stück grundlos bellt (und »Alleinsein« ist kein Grund!), riskieren Sie einen Zivilprozess, den Sie vermutlich verlieren werden.
Lassen Sie es nicht dazu kommen! Und übrigens: vielleicht ist für Sie die Macke des Hundes kein Problem, aber haben Sie auch Ihren Lebenspartner gefragt?

Fall 3: Starkes Dominanzverhalten des Hundes gegenüber Menschen

Lässt sich Ihr Hund von Ihnen problemlos(!) das Futter bzw. Spielzeug wegnehmen, oder knurrt er Sie dabei an? Können Sie andere Familienmitglieder umarmen, ohne dass Ihr Hund das verhindern will? Befolgt der Hund die Kommandos aller Familienmitglieder, oder nur des »Rudelführers«? Läßt sich der Hund ohne Probleme von seinen Lieblingsplätzen (Sofa, Bett) verscheuchen?
Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit "nein" oder "schwierig" beantworten, sollten Sie unbedingt eine Beratung und Therapie in Anspruch nehmen! Es besteht sonst die Gefahr, dass Sie die Kontrolle über Ihren Hund gänzlich verlieren (einen Teil der Kontrolle haben Sie bereits eingebüßt).
Insbesondere wenn Kinder im Haus sind, kann das sehr gefährlich werden!

Kind mit Hund an der Leine
Pitbull

Vorurteile und Rasselisten

Listen und Schlagzeilen sind medienwirksam — sie ersetzen keine individuelle Einschätzung. Was man liest, muss nicht zu Ihrem Hund passen. Seriöse Beratung arbeitet auf den konkreten Einzelfall, nicht auf Klischees.